Zu den Arbeiten von Georg Kiffmann von Judith.P.Fischer:
(anlässlich der Ausstellung „Stahlzeichen und Schattenlichter“ in der Kunstwerkstatt Tulln am 8.5.2009)
In den meisten Fällen begegnet man Künstlern oder Künstlerinnen, die neben ihrer künstlerischen Arbeit auch in anderen anverwandten Bereichen wie Design, Grafik, Schmuck, Bühnenbild oder Mode tätig werden.
Bei Georg Kiffmann ist es genau umgekehrt.
Nach einer handwerklich fundierten Ausbildung einerseits durch den Besuch einer HTL, mit Schwerpunkt Maschinenbau und andererseits der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, weil er eben wissen wollte, wie so ein Auto funktioniert, gründete Georg Kiffmann 1987 seine äußerst erfolgreich betriebene Metallwerkstätte für Innenausbau. In seiner Eigenschaft als Möbel gestaltender Metall-Designer wurde Georg Kiffmann im Jahre 1990 mit dem Staatspreis für gestaltendes Handwerk ausgezeichnet. 2007 folgte die Gründung des eigenen Ateliers.
In all diesen Jahren gab es immer wieder Sidesteps in Richtung Kunst, beginnend mit Zeichnungen in der Schulzeit- so wie die Zeichnung nach wie vor ein wichtiges Medium für den Künstler ist um Ideen zu kanalisieren, dem Besuch kunst-philosophischer Vorlesungen von Prof. Keyserling an der Universität für Angewandte Kunst zwischen 1978 und 1980, bis hin zum eigenständigen Kunstwerk und der damit verbundenen Ausstellungstätigkeit.
Zu den designten Möbelstücken kamen Wandarbeiten hinzu, die nun tatsächlich eine Loslösung von der Funktionalität vollzogen haben und nur mehr durch ihre eigene Aussagekraft ihre Daseinsberechtigung haben.
In der Ausstellung in der Kunstwerkstatt Tulln gibt lediglich ein Metalltisch mit Muster streuender Glasplatte Zeugnis vom Georg Kiffmanns Beruf während der Hauptanteil der Ausstellung seine wahre Berufung dokumentiert.
Georg Kiffmanns Kunst ist eine klar ausformulierte und konkret- konstruktiv ausgerichtete Kunst. Archaische Wandobjekte aus Stahl und Beton, exakt gearbeitet und von bestechender Schönheit, die in ihrer symbolhaften Wirkung eine klare und verständliche Sprache sprechen, wechseln mit Fotoarbeiten in stilvollem schwarz-weiß ab.
Auf den ersten Blick haben die beiden Bereiche nicht viel miteinander gemeinsam, fast könnte man meinen, zwei verschiedene Künstler wären am Werk gewesen. Beim Nachspüren kommt man aber darauf, dass es sehr wohl Berührungspunkte zwischen den Arbeiten gibt. In beiden Bereichen geht es um die Licht- und Schattenwirkung. So fotografiert Georg Kiffmann jene Schatten, die von einem Gegenstand an die Wand geworfen werden. Daneben geht es dem Künstler in seinen Fotoarbeiten auch um die Langsamkeit des Blickes. Schließlich nimmt sich Georg Kiffmann beim Fotografieren Zeit. Zeit- bis der Schatten dort ist wo er sein sollte, dann erst drückt er auf den Auslöser des Fotoapparates.
Diese Langsamkeit, diesen Atem sollte man auch beim Betrachten der Objekte Georg Kiffmanns mitbringen. Für die konkrete Kunst an sich und im speziellen für die von Georg Kiffmann braucht man Ausgeglichenheit und Geduld um sich ihr zu öffnen und um sie zu verstehen.
Wenden wir uns also den Wandobjekten zu. Diese archaischen Zeichen weisen eine klare Formensprache auf, die Kombination aus Beton und Stahl ist reizvoll aber nicht reizend. Formal könnte man hier eine Verwandtschaft mit Eduard Chillida erkennen, jenem spanischen Bildhauer, den Georg Kiffmann sehr schätzt. Aber auch einfache Symbole aus dem Formenreichtum der Indianer, Höhlen- und Felsmalereien und das Wissen um Ornament und Muster faszinieren und inspirieren Georg Kiffmann bei seiner Suche nach der idealen Form.
So meinte schon Johannes Itten, „...Die am besten fassbare Form ist die geometrische, deren Grundelemente der Kreis, das Quadrat, das Dreieck sind. In diesen Formelementen liegt jede mögliche Form, sichtbar dem Sehenden, unsichtbar dem Nichtsehenden.“
So geht Georg Kiffmann auch immer von diesen geometrischen Grundelementen aus, wenn er sich großen Themen widmet, wie z.B. „Sonne und Mond“, Thema seiner Freiskulptur, mit der sich Georg Kiffmann im Rahmen der Landesgartenschau Tulln „Die Garten“ einer breiten Öffentlichkeit stellt, und die einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Gartenschau beiträgt.
Jene faszinierende eindeutige Welt des Schattens und des Lichts können wir auch in der Ausstellung nachvollziehen. Bei meiner Frage nach den Titeln der Arbeiten sagte mir Georg Kiffmann „alle Arbeiten heißen O.T.“ also ohne Titel- dadurch soll sich Ausstellungsbesucher wie auch Betrachter der Werke aber nicht allein gelassen fühlen, sondern im Gegenteil angespornt werden, selbst nach den richtigen Antworten zu suchen.
Man muss sich eben für die Kunst im allgemeinen, und im speziellen für die von Georg Kiffmann Zeit nehmen.
J.P.F.
Georg Kiffmann
1957 geboren in Wien,
lebt und arbeitet seit 1981 in Ried am Riederberg NÖ.
1971-77 Höhere technische Lehranstalt, Maschinenbau
1978-80 Vorlesungsbesuche Uni Wien, Hochschule f. angewandte Kunst
1979-80 graphische Gestaltung v. techn. Unterlagen
1980-82 Konstruktion v. Industrieanlagen
1983-87 Aufbau und Betrieb einer Kfz-Werkstätte „Räderwerk Riederberg“
1987 Gründung einer Metallwerkstätte f. Innenausbauseit
1988 Entwurf und Umsetzung v. Einrichtungen und Möbeln
1990 Staatspreis f. gestaltendes Handwerk
1992 Gründungsmitglied der Gruppe „Laufzeit“
1996 Gründung von IG Kiffmann (i-Punkte f. Räume)
2007 Atelier-Kiffmann
Ausstellungen
2011 Warschau, Österr. Kulturforum " De Sign - finden und erfinden"
2010 Wien, Eco plus (Gemeinschaftsausstellung)
Wien, Interieur
Wien, Salon Jardin
Neulengbach, Galerie am Lieglweg (Gemeinschaftsausstellung)
2009 Diözese St.Pölten „Hunger nach Gerechtigkeit“
Tulln Kunstwerkstatt
2008 Tulln Landesgartenschau
Neulengbach, Galerie am Lieglweg
Herzogenburg, Meisterstraße
Tulln Kunstwerkstatt „Art vent“
2006 Tulln, Erste Bank
Gars am Kamp , Atelier Savio “open“
Wien, Festival du Jardin
Sieghartskirchen “Traumwerkstatt”
Wien Unikatewald Interieur
2005 Wien, Festival du Jardin
Plank am Kamp, „Badeschluß"
2003 Ried, „36 Zeichen“
1994 Antwerpen, Casa Europea
Amsterdam, Galerie K.I.S.
1993 Wien, Galerie Hellmer, „Design an der Wende“
1992 Wien, Präsentation der Gruppe „Laufzeit“, Grecht Werkstatt
Wien, Interieur
1991 Frankfurt, Möbelmesse
Wien, Interieur
Bad Hofgastein, Gestaltendes Handwerk
Innsbruck, Ambiente 91
1990 Österreichischer Staatspreis für gestaltendes Handwerk
Innsbruck, Ambiente 90
Wien, Interieur
Köln, Austria Design
TL,
